04.03.2017

Fulminanter Auftakt: "Tatort Fulda" zum Ersten: Wiener Schmäh und eine Leiche

(Osthessen-News.de, 04.03.2017)

Für die bekannte TV- und Bühnenschauspielerin Aglaia Szyszkowitz war ihr Besuch in Fulda am Freitag gleich aus zwei Gründen ein glückliches Ereignis. Zum einen erhielt sie am Mittag die Zusage, im Sommer in dem für sie sehr wichtigen Film „Die Wunderübung“ nach dem Stück von Daniel Glattauer mitspielen zu dürfen. Zum anderen hatte sie am Abend beim Brillenoptiker und Hörakustiker „Neusehland“ in der zentralen Fußgängerzone mit der Lesung aus dem Kriminalroman „Tot bist du mir lieber“ von der österreichischen Autorin Edith Kneifl einen Riesenerfolg und bescherte der achten Auflage des Krimi-Festivals „Tatort Fulda - Der Tod trägt Barock“ damit einen fulminanten Auftakt.

Über einen kleinen roten Teppich flanierten 160 Gäste in den Verkaufsraum, der ziemlich eng bestuhlt war, was aber niemanden gestört haben dürfte, weil Nicole Trunt mit Gitarre und stimmungsvollen Pop-Songs prächtig auf den Event einstimmte. Dieser begann Punkt 20 Uhr mit der Begrüßung von Thomas Kupka vom „Neusehland“-Stammhaus in Gießen, der Aglaia Szyszkowitz anmoderierte und ein leichtfüßiges Interview über die Unterschiede zwischen Bühne und Film, Deutschland und Österreich sowie Land- und Stadtleben führte.

Kupka habe sich einen unterhaltsamen Abend zum Schmunzeln gewünscht, und Festival-Begründer Uwe Lischper hatte mit der Buchauswahl und „seiner supergestrichenen Fassung“ (O-Ton: Aglaia Szyszkowitz) ein glückliches Händchen bewiesen. Der Plot des Krimis in groben Zügen, so wie er vom Haymon-Verlag beworben wird: „Es geht heiß her rund um den Wiener Naschmarkt: Von ihrer Freundin Elvira bekommt die angehende Privatdetektivin Magdalena Musil ihren ersten Fall vermittelt: Die wohlhabende Britta wurde von einem Mann um viel Geld betrogen, den sie in einer Online-Partnerbörse kennengelernt hat. Und diesen René soll Magdalena nun aufspüren. Unterstützt von Elvira und Sofia, der Dritten im Bunde, macht sie sich auf die Suche und wird fündig. Doch dann kommt René bei einem Wohnungsbrand ums Leben – oder doch nicht?“ Mehr erfährt das Publikum an diesem Abend nicht aus der Lesung von Aglaia Szyszkowitz. Denn die Reihe „Tatort Fulda“ soll schließlich zum Kauf des Buches anregen.

Man hätte sich am Freitagabend keine bessere Interpretatorin des Stoffes wünschen können, denn Aglaia Szyszkowitz ist Österreicherin wie die Autorin und macht deren Text zu ihrer Bühne. Sie liest die Rollen nicht, sie spielt sie. Dabei steht es der 49-Jährigen, die ihre Ausbildung am Wiener Volkstheater genoss und in bislang über hundert Fernsehproduktionen zu sehen war, gut zu Gesicht, dass sie sich eher der Komödie, denn dem Drama verpflichtet sieht, wie sie im Gespräch mit Thomas Kupka verrät.

Dessen Fuldaer Team hatte für die Dekoration ganze Arbeit geleistet, um eine passende Atmosphäre zu schaffen. Neben dem roten Teppich gab es einen österreichisch-ländlichen Lesetisch mit rot-weiß-karierter Decke, der mit Holzkisten samt Kerzen, Weißweinflaschen und diversem Gemüse ausstaffiert war. Während der Lesung wurde das Licht stimmungsvoll gedimmt. Und im Anschluss an die Lesung gab es fürs Publikum österreichische Schmankerl zur Verkostung. Festival-Gründer Uwe Lischper sagte nach dem herzlichen Schlussapplaus: „Besser hätte es heute nicht laufen können.“ (Matthias Witzel)