13.06.2017

Wer spielt eigentlich die Maus?

LESUNG Sendung mit der Maus-Mitbegründer Armin Maiwald eröffnet 8. Gießener Bilderbuchtage / Für Kinder und Erwachsene (Gießener Anzeiger, 13.06.2017)

GIESSEN. Seinen Namen kennt jeder: Armin Maiwald, Mitbegründer der Sendung mit der Maus. Zur Eröffnungsveranstaltung der 8. Bilderbuchtage des Literarischen Zentrums Gießen (LZG) unter dem Motto „Schöne Zeiten mit bunten Seiten mit Armin Maiwald“ stellte er beim Optik- und Akustikhaus „Neusehland“ sein Lieblingsbilderbuch vor.

Doch bevor die Lesung losgehen konnte, machte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz erst einmal selbst ein Foto von sich und Armin Maiwald, da die Politikerin ein eingefleischter Fan von der Sendung mit der Maus ist. Während also die vielen Kinder auf gemütlichen, roten Kissen zu Füßen von Armin Maiwald sitzen, liest dieser zwischen Brillenmodellen und Hörgeräten das Kinderbuch „Schlinkepütz“ vor.

Das Buch handelt von dem freundlichen Monster Schlinkepütz, dass das Problem hat, immer unpünktlich zu sein. Ein Monster darf sich selbstverständlich mal daneben benehmen und auch Zähneputzen muss bei Monstern nicht täglich sein, aber unpünktlich sein, das geht nicht. Also versucht Schlinkepütz von nun an, immer pünktlich zu seinen Terminen zu kommen. Aber gleich am ersten Tag klingelt der Wecker nicht und das Monster kommt zu spät zu seinem Termin beim Arzt. Dabei würde das Monster doch so gerne einmal sehen, wie der Arzt sein leckeres Eis isst, bei dem dann der Holzstab übrig bleibt, mit dem der Doktor dann die Rachenuntersuchung bei dem Monster vornimmt. Schlinkepütz versucht also bei seinen Abenteuern stets, pünktlich am Ziel zu sein. Ob ihm das gelingt, bleibt bei der Lesung offen.

Danach nimmt sich Armin Maiwald viel Zeit, um die Fragen der Kinder zu beantworten. Diese sind sehr vielfältig und drehen sich vor allem um die Maus. Wie entstand die Maus? Wer spielt die Maus? Warum hat die Maus einen Elefanten als Freund? Armin Maiwald erklärt den Kindern alle Sachverhalte rund um die Maus mit einer Engelsgeduld. Als er schließlich gefragt wird, wie es für ihn ist, der Kinderheld von mehreren Generationen zu sein, lacht Armin Maiwald und antwortet: „Ja, daran muss man sich schon gewöhnen! Man wird permanent beobachtet und hat schließlich auch eine Vorbildfunktion. Als ich das erste Mal nach einem Autogramm gefragt wurde, habe ich mich umgedreht, um zu schauen, ob da noch einer hinter mir steht! Oder einmal war ich in Hongkong, da kamen drei Männer auf mich zu und fragten mich ‚Was machen Sie denn in Hongkong?‘ Man kennt mich tatsächlich einfach überall!“

Auf den Punkt als Maiwald einmal einen Film über Erdöl gedreht hatte, wurde er von einem Professor einer Universität angesprochen, dass er diesen Film seinen Studenten zeigen würde. Der Film sei einfach, verständlich und auf dem Punkt, es gäbe keinen besseren. „Das macht mich natürlich stolz, wenn ein Fachmann meine Filme lobt“, gesteht der ambitionierte Regisseur den Kindern.

Als er darauf angesprochen wird, dass er doch hoffentlich niemals in Rente gehen wird, schmunzelt Maiwald. „Ich bin mit meinen 77 Jahren schon so lange im Rentenalter, aber wenn ich immer nur zuhause bin, würde ich meiner Frau bestimmt schnell auf die Nerven gehen. Die Sendung mit der Maus und die Bibliothek der Sachgeschichten sind mein Leben. Ich mache es solange, wie es geht“, bestätigt er.

Nach der Fragestunde gibt es noch ein kleines Experiment, bei dem der Autor ein einfaches Blatt Papier auf ein Glas Wasser drückt. „Und was passiert, wenn ich das Glas umdrehe?“, fragt er in die Runde. Natürlich kann das Blatt Papier das Wasser nicht zurückhalten und es läuft hinaus, meinen die Kinder. Maiwald dreht das Glas um, und das Papier hält das Wasser im Glas fest. Die Kinder staunen nicht schlecht. „Das liegt ganz einfach am Luftdruck“, erklärt der Regisseur, „überall um uns herum ist Luft und diese drückt das Papier auch von unten gegen das Glas und deswegen bleibt das Wasser im Glas.“

Insgesamt war die Lesung über das Monster Schlinkepütz und die Fragerunde nicht nur für die Kinder ein tolles Erlebnis. Auch die vielen Erwachsenen, die die Lesung besuchten, konnten ihr Kindheitsidol einmal hautnah erleben und dem bodenständigen Autor eigene Fragen stellen.