04.06.2019

Vom „Checker“ gelernt

Star der beliebten KiKa-Wissensshow hat bei Bilderbuchtagen „Tausend“ Kinderfragen zu beantworten

Gießener Anzeiger, Gießen  04.06.2019

„Heute kommt Checker Julian! Kennt Ihr den?“ „Ja, jaaa!“,tönte es bei den Gießener Bilderbuchtagen aus drei Dutzend Kinderkehlen im Verkaufsraum des Optikergeschäfts Neusehland. „Woher denn?“ „Aus dem Fernsehen!“ „Dann rufen wir alle mal ganz laut seinen Namen, damit er nach vorne kommt.“ Den großen Raum hatte das Geschäft für die Veranstaltung gerne zur Verfügung gestellt, denn das Unternehmen sei laut einem Mitarbeiter auch auf Kinderbrillen spezialisiert. Als Checker Julian dann auftauchte,
war der Jubel unter den Kindern riesengroß. Anscheinend kannten ihn alle der anwesenden Drei- bis Neun-Jährigen aus der überaus beliebten KiKa-Wissensshow „Checker“ für Grundschulkinder. Dort thematisieren die Checker Tobi, Can und Julian seit 2013 in kleinen Experimenten und Filmen alles von Skateboards bis hin zu Hexen. Zwischen dem 25-jährigen Checker Julian und den Kindern entwickelte sich sofort ein anhaltender, oft übersprudelnder Dialog. Erst gegen Ende der gut einstündigen Veranstaltung wurde es manchen der Kleinsten unter ihnen etwas zu langandauernd, während die Älteren bei ihrem Mitmachen kaum zu bändigen waren. Als Belohnung für langes Ausharren gab es vor dem Geschäft bei hochsommerlichen Temperaturen für jeden ein Eis. Zuvor hatte Checker Julian das Kinderbuch „Das brauch ich alles noch“ vorgelesen. In der Geschichte hilft Jim seinem Vater beim Wäschesortieren. Als Papa Jims Hosentaschen leert und den Inhalt entsorgen will, erhebt der Sohn energischen Einspruch: „Das brauch‘ ich alles noch.“ Und dann erklärt er seinem Vater, was es mit den scheinbar nutzlosen Dingen auf sich hat.

Mopedhelm und Glitzerfolie

Zu jedem Gegenstand – rostiger Kofferschlüssel, Knopf, Stein und anderes – hat Jim eine fantasiereiche Geschichte parat. Da kann der Papa nur staunen. Danach war bei den Kleinen gedankliche Kreativität gefordert. Zu einem Mopedhelm, einer Schweißerbrille und einer Glitzerfolie begann Julian jeweils eine Geschichte, die die Kinder fortsetzen sollten. Im dritten Teil seines Auftritts erzählte der Checker, wie seine Fernsehsendungen entstehen und wer alles daran beteiligt ist. „Tausend“ Fragen dazu musste er von den wissbegierigen Kids beantworten. Die letzte war: „Wieso hast Du noch keinen Brillen- Check gemacht?“ „Okay, den könnten wir gleich hier drehen“, war seine spontane Antwort. Uwe Lischper, der ebenfalls Organisator des jährlichen Krimifestivals ist, hat zum zehnten Mal die Bilderbuchtage organisiert. Im Gespräch mit dem Anzeiger erzählte er, dass dies sein letztes Mal gewesen sei und ab 2020 das Literarische Zentrum übernehme. Von den Erwachsenen sei er vor zehn Jahren auch auf die Kinder gekommen. Der Einstieg in die Literatur sei sein Hauptargument dazu gewesen. „Kinder sollen mit den Bilderbuchtagen an das Veranstaltungsformat herangeführt werden“, so Lischper. Sie sollten dabei das Zuhören lernen. Dagegen sei „das Lesen beizubringen, die Pflicht der Schule“. Stolz ist er zudem auf den Hessischen Leseförderpreis, der vor einigen Jahren den Bilderbuchtagen verliehen wurde. Finanziert werde die Veranstaltungsreihe vom städtischen Kulturamt und von Sponsoren. Die Förderanträge gestellt habe das Literarische Zentrum, das auch das literarische Leben in der Stadt unterstützt.

 

 

 

 

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