24.02.2018

Bissige Hunde und andere tote Models

Schauspieler Devid Striesow eröffnete das neunte Krimifestival „Tatort Fulda“ (Fuldaer Zeitung, 24.02.2018)

 

FULDA

Es wird wieder gemordet, intrigiert und verraten, was das Zeug hält. Mit der Lesung von Theater-und TV-Schauspieler Devid Striesow bei NeuSehLand startete gestern Abend die nunmehr neunte Ausgabe des erneut so gut wie ausverkauften Krimifestivals „Tatort Fulda“. Von unserem Redaktionsmitglied ANKE ZIMMER

TATORT FULDA

Mit Verbrechen kennt er sich aus. Der Schauspieler Devid Striesow war Kommissar Jan Martensen in „Bella Block“, und als Jens Stellberg ermittelt er seit 2013 in den „Tatort“-Fällen des Saarländischen Rundfunks. Die Fuldaer Krimifans lernten den 44-Jährigen gestern Abend von einer anderen Seite kennen: als lebhaften Vorleser. Mit Ausschnitten aus Eduardo Mendozas spanischem Bestseller „Das dunkle Ende des Laufstegs“ (erschienen bei Nagel und Kimche) gab Striesow den Startschuss für die diesjährige Lese-Runde unter dem Motto „Der Tod trägt Barock“.

Thomas Kupka, Prokurist des Geschäfts, bei dem traditionell der „Tatort Fulda“ eröffnet wird, ließ es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, den Gast zu Beginn des Abends ein bisschen zu „verhören“. Er stellte Striesow als einen der derzeit prominentesten und zudem mehrfach prämierten deutschen Schauspieler vor. Und der, obwohl von einer Berliner Theaterpremiere am Abend zuvor noch ein bisschen müde, wie er selbst sagte, war denn auch redselig und vor allem sehr humorvoll. Wofür er starken Applaus erntete – wohlgemerkt: vor der Lesung. Diese hatte es dann aber auch in sich und bot dem bekennenden Ostseefan, der seinen baldigen Abschied vom TV-„Tatort“ nicht verhehlte, allerlei Möglichkeiten, seine präzise Vortragskunst mitsamt unbekümmerter Stimmmodulation und fröhlicher Gestik und Mimik unter Beweis zu stellen. Striesow präsentierte die ersten Kapitel eines außergewöhnlich literarischen Krimis, der – passend zum merklich gut gelaunten Vorlesenden – die Zuhörer mehrfach zum Lachen brachte. Wiewohl die Geschichte, die eigentlich „nur“ mit einem Hundebiss beginnt, durchaus dramatisch an Fahrt aufnimmt. So viel sei an dieser Stelle verraten: Der Erzähler, Insasse einer „Irrenanstalt für Strafgefangene“, wie er andeutet, wird von Polizeibeamten zur Mitarbeit an der Aufklärung eines Mordfalls aufgefordert – und tappt nichts ahnend in eine Falle. Denn die Herren sind nicht diejenigen, für die sie sich ausgeben, und das Model, um das es geht, wird erst gemeuchelt, als der Erzähler in verwaschenen Unterhosen in einem Park zu joggen versucht und jegliche Chance verliert, ein Alibi aufzubringen. Kurzerhand also gerät er selbst unter Verdacht. Was das mit einem wohlhabenden Unternehmer, dessen junger, offensichtlich misshandelter Frau und den drei Söhnen aus erster Ehe zu tun hat, von denen einer mal eben mit einer Schussverletzung zum Arzt muss? Da hilft nur: selber lesen.

Dass der Krimi in Barcelona spielt, ließ sich auch optisch erfahren: Die Wände waren in den Farben der spanischen Flagge verkleidet, auch kulinarisch ging es nach der Lesung ab in den Süden. Der Gießener Musiker Thomas Bernsdorff sorgte für den entsprechenden Sound. Der abendliche Osthessen-Frost war vergessen.